Neuer Versuch nächstes Jahr…

Das war er nun, mein heissersehnter Schwedenurlaub dieses Jahr, leider eine Woche zu kurz.

Um das Ende gleich vorweg zu nehmen: Ich hatte in der einen Woche mehr Abenteuer als auf dem für zwei Wochen geplanten Weg.

Eigentlich hatte ich ja vor, die erste Etappe des Kungsleden bis Vakkotavare abzuklappern, nur war die Bahnstation am Anfang des
Wegs(Abisko Turiststation) nicht wirklich gut zu entdecken, denn vom Zug aus sah man erst nur Maschendrahtzaun, dann plötzlich Aufregung
im Zug, dann sah man Maschendrahtzaun und bunte Rucksäcke und Köpfe und dann fuhr der Zug auch schon weiter, bevor ich überhaupt wusste,
dass ich gerade am Ziel vorbeigefahren bin…

Fängt ja schonmal gut an, aber ich war nicht der einzige, dem das passiert ist.
Der nächste Bahnhof war dann Björkliden, auch ein lauschiges Plätzchen fast mitten im Wald, aber eben nicht Anfang meines Wanderwegs.

Ich hab also zunächst einmal einen Blick in die Karte geworfen und festgestellt, dass man ja auch von dort loslaufen könnte statt ewig auf den Zug zurück zu warten oder die 8km zu Fuss zu laufen. Bis ich wieder in Abisko gewesen wäre, wär ich auch schon reif für den Schlafsack gewesen, was dort aber schwierig ist, da auf dem ersten Teilstück ein Nationalpark und dort das Zelten verboten ist.

Also stiefel ich so los und lauf höher und höher und guck mir geschlossene Seilbahnen an(ist ja schließlich keine Skisaison gerad) und lauf noch höher und noch höher und hinter mir sieht man langsam den Torneträsk immer mehr, weil einfach weniger Bäume im Weg stehen.. Als der Ausblick gut genug und auch eine alte Nothütte in der Nähe waren, beschloss ich erst einmal Pause zu machen und hab das Zelt rausgeholt, da hatte ich schonmal die Hälfte der 1000hm geschafft.

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Hier gabs immerhin noch einen Trampelpfad.
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Das Ganze Elend von Anfang bis Ende sah dann so aus…

Irgendwo ganz klein am Rande des Torneträsk kann man den Bahnhof erahnen…

Der Rest ging dann eigentlich recht unspektakulär weiter: Den Berg wieder runter, aber bloss nicht gerade, denn alle paar Meter gab es entweder ein Sumpfloch oder einen steilen Überhang, dafür aber keinen wirklichen Weg mehr.. Ich bin da also im Slalom zwischen den Markierungen für einen Winterwanderweg runter. Nur muss man im Winter sicher nicht so auf Sümpfe achten, die sind da gefroren. Irgendwo unterwegs war also das erste paar Socken nass. Kein Problem, man hat ja noch eines.

Vor der Brücke über den Kårsajåkka hab ich dann nochmal das Zelt aufgeschlagen, weil danach der Abisko Nationalpark beginnt.

Da hatte ich noch die Hoffnung, dann irgendwann der Dreh zum Kungsleden zu kriegen und meinen geplanten Weg fortzusetzen, was sich anhand diverser Sumpfgebiete, nochmals nasser Socken und Wegen wie diesen hier als unmöglich herausstellte:

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Also doch lieber links abbiegen und den sicheren Weg zum Bahnhof nehmen:


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Letztlich konnte ich gegen Ende kaum noch einen Menschentrampelpfad von einem Tiertrampelpfad von einem ausgetrockneten Bächlein oder einem geplanten Trampelpfad unterscheiden, die Übergänge waren da auch fließend. Geflossen ist da auch eine Menge Blut, eines meiner T-Shirts zieren jedenfalls unzählige Blutflecken, wahrscheinlich von meinen Handgelenken, der, nach der Höhensonne einzige unbedeckten, verbrannten Körperregion meinerseits:

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Gebissen wurde ich im Sumpf nicht nur von Mücken, sondern auch von kleinen Fliegenartigen Tierchen, die tolle kleine Blutblasen auf der Haus hinterlassen und gegen die auch das 50%ige DEET nichts mehr nützte, das wahrscheinlich eh nach 500m Strecke durchs Gehölz weggeschwitzt war. Als es gegen 20:00 wirklich zuviel wurde, hab ich dann unerlaubterweise doch mal das Zelt in den Nationalpark gestellt, um wenigstens mückenfrei was essen zu können und hab das Zelt nach dem dritten oder vierten Flug des Waldmeisters im Hubschrauber doch lieber wieder abgebaut und bin die Nacht durch bis irgendwann kurz nach 23:00 bis zur Abisko Turiststation getobt. Dabei hab ich auf den letzten 5-6km sogar noch den offiziellen Wanderweg gefunden, die reinste Waldautobahn gegen die Wege, die ich genommen hab:

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Jetzt könnte man eigentlich meinen, das war alles doof und rausgeworfenes Geld und rausgeworfene Urlaubstage, fand ich aber unterwegs schon nicht, denn alle paar Minuten wenn man mal stehenbleibt, um zu verschnaufen, dann sieht man doch grandiose Landschaften, die jede Mühe wert sind:

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Das einzige, was mich dann in Abisko doch zur Abreise getrieben hat war die Tatsache, dass man nicht einfach mitten auf dem Kungsleden aussteigen kann wenn es einem zuviel wird. Und den Hubschrauber wollte ich nicht bemühen müssen, um da einen ziemlich abgewrackten Leichtsinnigen rauszuholen, der Heli hat mich schon oft genug umrundet.

Nächstes Jahr gibts einen neuen Versuch mit mehr Landschaft und weniger Abendteuer und hoffentlich mehr schönen Bildern, vom Gelände her kann mich auf dem richtigen Wanderweg jedenfalls nichts mehr schocken, glaub ich.

Dafür hab ich mir etwas Zeit erkauft, mal ein paar Brocken Schwedisch zu lernen, denn unterwegs mit diversen Langstreckenzügen wärs manchmal doch recht hilfreich gewesen zu erfahren, wieviel Verspätung der Zug denn nun wirklich hat…

 

 

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