Vierter Reisetag

Der Regen von heut nacht hat dann auch bis 11:00 gehalten und mir trotzdem kaum mehr als ein Trinkglas voll Wasser spendiert, dass ich zudem noch durch ein Taschendurch filtern durfte, weil die dicken Tropfen auch Erde mit in den Topf geschleudert haben. Aber es hilft ja alles nichts und ich nutz die Regenpause, um das Zelt abzubauen und loszumarschieren.. Über den Rentierzaun und immer weiter, doch so wahnsinnig weit muss ich garnicht laufen, den einerseits hatte ich ja schon die halbe Etappe hinter mir und andererseits muss man die Alesjaure-Etappe nicht vollständig laufen, wenn man nicht will, es fährt nämlich auch ein Boot den See entlang. Nach der Strapaze mit dem Wassermangel bin ich also mal faul und nehm das Boot, nachdem ich unterwegs doch noch an einer vertrauenerweckenden Quelle Wasser aufgenommen hab.

An der Anlegestelle stand dann, dass es bis zum regulären Boot noch ca. 2h dauern würde, man den Kahn aber ab 6 Personen auch per montiertem Walky-Talky rufen könnte. Aber nee, zum einen will ich mir nicht die Ohren beim Schwedisch sprechen verbiegen, zum anderen eine prima Gelegenheit, den frischen Wasservorrat für heissen Kaffee und ein leckeres Fertiggericht aus der Tüte zu verwenden, ich hab da ja etwas Nachholbedarf. Und so setz ich mich dann im Nieselregen auf die Isomatte und fang das Kochen an, was mir einige andere Wartende gleich nachtun. Selbst mit vollen Magen wirds aber langsam kühl, so ohne Bewegung bei Niesel und Wind, aber da bewegt sich schon ein Punkt am anderen Seeufer, das wird wohl das Boot sein.

Die Überfahrt dauert so 15-20 Minuten, es gibt viel Landschaft zu gucken und im Nachhinein war es die 220SEK wert, nicht laufen zu müssen, auch wenn sich der Fahrer bei 220SEK a 15 Nasen sicher mehr als das Benzingeld verdient hat(und er ist nach der Ankunft auch gleich wieder abgehauen, weil schon kurz nach der Abfahrt noch ne Bootsladung auf der anderen Seite wartete). Dafür war das Personal in der Alesjaurehütte so freundlich, auf einen kostenlosen Zeltplatz unten am See hinzuweisen, Trinkwasser gabs im See mehr als genug(die hotelartig ausgebaute Hütte bezog ihr Trinkwasser auch direkt von da) und Toiletten und Müllentsorgung der Hütte durfte man kostenlos mitnutzen. Nach den 100SEK Zeltgebühr in Abiskojaure eine willkommene Überraschung. Dafür, dass man nichts zahlt bleiben einem dann aber eben Küchen- und Saunanutzung verwehrt, was dank eigenem Kocher aber nicht so ins Gewicht fiel.

Am Zeltplatz dann auch die erste Begegnung mit deutschen Wanderern, ein Berliner mit kränkelndem Sohn und ein Pärchen aus Bonn. Beim Abendessen wurden dann der berliner Jetboil-Hightech-Kocher, der Bonner Lowtech-Trangia mit Spiritusbefeuerung und der hamburger Low-Lowtech-Potcozy bestaunt, wobei letzterer den Bonnern dabei half, dass der Couscous nicht kalt wurde, bevor die Tomatensosse fertig war. Der Regen hatte während der Bootsfahrt zwar aufgehört, aber so richtig warm wars trotzdem nicht und deshalb kamen bei jedem Sonnenstrahl wahre Begeisterungsstürme unter den Zeltbewohnern auf und als am frühen Abend die Mücken aufwachten, löste sich die Versammlung schlagartig in Richtung der Schlafsäcke auf. Bis auf den Berliner, der überlegt hat, seinen 14jährigen Sohnemann doch besser für 365SEK in ein Hüttenbett zu stecken und etwas kurieren zu lassen, während er der Sauna einen Besuch abstattet, was insgesamt aber wohl doch im Sande verlief, denn zum Frühstück sah man beide sich aus ihrem Mini-Zelt schälen.

So gegen 1Uhr nachts wurds nochmal unruhig auf dem Zeltplatz, weil einige Nach(t)zügler relativ lautstark ihr Zelt aufbauten.. Das ist halt der Nachteil am Polartag: Zeit ist relativ.

 


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