Opensource-Jünger sehen sich um ihre Freiheit betrogen...

Posted by André Naumann • Tuesday, May 10. 2005 • Category: Moderne Zeiten
Die persönliche Freiheit war ja schon immer ein sehr zentrales Thema im gesamten Opensource-Umfeld.. Einerseits sollte alles mögliche für jeden frei verfügbar sein, doch die eigene Privatssphäre sollte dann doch lieber geheimgehalten und so stark wie nur möglich verschlüsselt werden.

Und so sorgen dann auch gerne zusammenhanglose Fetzen von Lizenzen, Nutzungsbestimmungen u.ä. die Runde und ein großes Stöhnen geht durch die Gemeinde, denn wieder einmal wurde das Recht am eigenen Wort beschnitten. Warum ich über etwas schreibe, was schon tausend andere beschrieben haben?
Weils gerad in nem Chat aktuell wurde, in dem ich war :-)

Stein des Anstoßes war diese Seite(auch hier und hier)...

Dort ist eine Stelle der allgemeinen Geschäftsbedingungen von AOL/AIM/ICQ zu lesen, die besagt, dass man die Urheberrechte an allem, was man über diese Dienste schickt, einfach so aufgibt.. Ohne Nachfrage, ohne Möglichkeit dies zu verhindern.

Da ist nun natürlich sofort Not am Mann, man muss sofort einen anderen Dienst wie Jabber benutzen, die auch Verschlüsselung unterstützen und überhaupt konsequent Open Source-Technologien einsetzen, denn Software, deren Quellcode man nicht in die Finger bekommt, die ist grundsätzlich böse!

Aber bei all dem Geschrei um diverse Softwarelizenzen.. Macht sich IRGENDJEMAND die Mühe und liest das auch mal?

Ich geb ja zu, in Zeiten von EMail, SMS und Klingeltoncharts ist es etwas anstrengend, mehrere Seiten zusammenhängenden Text zu lesen, aber in einigen wenigen Fällen ist soetwas gewinnbringend.. Echt mal!

Denn neben dieser:

You agree that by posting any material or information anywhere on the ICQ Services and Information you surrender your copyright and any other proprietary right in the posted material or information. You further agree that ICQ Inc. is entitled to use at its own discretion any of the posted material or information in any manner it deems fit, including, but not limited to, publishing the material or distributing it.


Passage, die wirklich etwas furchteinflößend klingt, findet sich auch noch folgendes in den AGB von ICQ:

ICQ Inc. does not actively monitor nor does it exercise any editorial control over the content of any Web site, message or other material or information created, obtained or accessible through the ICQ Services and Information.


und dies auch noch:

Unless produced by ICQ Inc., the information you access or receive by using the ICQ Software, or available on the ICQ Services and Information or information sent to you by other users is provided, entered or posted by the users and is not reviewed, controlled, examined, verified or endorsed by ICQ Inc. in any way.


und:

You agree to indemnify ICQ Inc., its employees, agents, and representatives, and to hold them harmless, from any and all losses, claims and liabilities (including attorneys fees) which may arise from your submissions, posting of information or deletion thereof, from your use of any of the ICQ Services and Information or any other service and/or material obtained from or accessible through any services provided on this Site, or from your breach of these rules or any other agreement between you and ICQ Inc.. You further agree that ICQ Inc. is not responsible, and shall have no liability to you or anyone else, for any material posted by others, including defamatory, offensive, or illicit material, and that the risk of damage from such material rests entirely with you.


Was liest man daraus? Richtig, "Wenn wirs gebrauchen können, gehörts uns" und "Wenns illegal ist, haben wir nichts damit zu tun, das ist allein Schuld der Benutzer".

Aber was liest man daraus, wenn man das mal im Zusammenhang sieht und mal dran denkt, dass da a) ne große Firma mit paranoiden Rechtsanwälten und b) viele viele Benutzer dahinterstehen?

Die "modernen Kommunisten" regen sich auf, weil sie sich in ihren Privatgesprächen belauscht fühlen, dabei wird ganz klar gesagt, dass der Inhalt der Nachrichten nicht gelesen oder sonstwie überwacht wird.

ch bin kein Anwalt, aber für mich klingt es eher so, als wolle man sich gegen Klagen wie: "Ich hab über Google mein ICQ-Webprofil gefunden und da ist n Bild drin und ihr veröffentlicht das einfach, ohne mich zu fragen" oder "Ich hab zwar http://www.stormfront.org/ in meinem Profil verlinkt und mindestens 20 Kästchen mit der Aufschrift 'ich werde keine illegalen Links setzen' angekreuzt, aber jetzt steht die Polizei vor MEINER Haustür, dabei liegt das doch alles auf EUREM Webserver" schützen und nicht jede Art geistigen Eigentums in Privatnachrichten sofort an sich reissen und verwerten.

Wer jedoch den Quellcode zu seinem "Superproggi, funzt 100%" in sein ICQ-Webprofil packt, der ist doch selbst schuld.
Last modified on 2009-09-28 21:22
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4 Comments

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  1. *Hi,
    danke erstmal für den Trackback :-)

    > Aber was liest man daraus, wenn man das mal im
    > Zusammenhang sieht und mal dran denkt, dass da
    > a) ne große Firma mit paranoiden Rechtsanwälten und

    ja, die paranoiden rechtsverdreher schaffen uns viele probleme...

    > b) viele viele Benutzer dahinterstehen?

    stehen die user wirklich dahinter? sind sie sich dessen bewust? oder nutzen sie den dienst nicht vielmehr "blind", ohne sich über die rechte, die sich abgeben, bewusst zu sein?

    Das Problem, weshalb man sich über solche AGBs aufregen sollte, ist doch, das dieses "weiträumige Absichern" der Betreiberfirmen dazu führt, das sie mit den Daten der Benutzer doch machen können, was sie wollen - ohne das hierfür ein Bewusstsein seitens der User vorhanden ist.

    Betreiber wie z.B. amessage.de haben solche Bedingungen offensichtlich nicht nötig. Es geht also auch ohne.

    viele Grüße :-)
    Markus
  2. *Sicher geht es auch ohne solche Klauseln in den AGB, aber ich denke, sowas bringt die hauseigene Rechtsabteilung ab ner gewissen Unternehmensgröße einfach mit sich, besonders bei amerikanischen Firmen.

    DIE haben immerhin die Prägung "Caution! Contents hot!" auf Kaffeebechern gefordert :-)


    Aber der Ursprung meines Unmuts ist auch eher die erste Seite, die ich verlinkt hab(dein Blog und das andere hab ich ehrlich gesagt nur zum Trackbacktesten reingenommen ;-)).. Leute lesen teilweise auch NUR das und sagen gleich "ICQ ist böse", ohne auch nur selbst nen Blick in die AGB geworfen zu haben.. Sind halt zwei Extreme in entgegengesetzten Richtungen und ich glaube, keins von Beidem ist gut :-)

    Ungefähr so wie die Leute, für die Linux das Allheilmittel schlechthin ist.. Meckern einerseits über die angebliche Monopolstellung Microsofts, wollen aber eigentlich das gleiche, nur mit nem anderen Namen und nem Pinguin drauf :-)

    Aber wenigstens das Trackbacken läuft, da freut Mensch sich ja :-)

    Dem Wetter angepasste, sonnige Grüße
    André
  3. *Ich muss dir Recht geben in dem Punkt, dass viele das Kleingedruckte überhaupt nicht lesen. Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, wie du dich in Untertönen über die "neuen Kommunisten" lustig machst.

    Noch wurden diese Klauseln nicht missbraucht. Noch ist alles auch ganz harmlos. Warum soll ich meine Privatsphäre schützen? Ich hab doch nichts zu verbergen etc. pp.
    Es zeichnet sich allerdings eine Entwicklung ab, gegen dir wir JETZT einschreiten müssen. Im Nachhinhein wird es zu spät sein. Das ganze Data-Mining wird immer schlimmer werden.

    Deshalb ist es durchaus sinnvoll, sich über jede noch so kleine Klausel aufzuregen und Schritte dagegen zu unternehmen.
  4. *Naja, der Witz an der Sache ist ja, dass sie diese Klauseln nicht "missbrauchen" können, weil sie ja in den AGB ganz klar sagen, dass sie NICHTS mitschneiden :-)

    Also bevor die wirklich was damit anfangen können, müssten die erst ein weiteres Mal die AGB ändern, DANN gibts Grund zur Aufregung.

    Das hat mit "Schutz der Privatsphäre" nicht viel zu tun,denn dann würde man ICQ nicht wegen der Geschäftsbedingungen meiden, sondern wegen der fehlenden Verschlüsselungsmöglichkeiten.

    Ich finds nur witzig, wie die ganze "Szene" einfach alles nachplappert, wenn man es nur reisserisch genug formuliert.

    Da wird dann auch schonmal Microsoft als Monopolist verschrien und gleichzeitig Linux als Universallösung angepriesen, die ja besser als alles andere sei.

    Der König ist tot, lang lebe der König.. Und von Demokratie keine Spur.

    Sicher, ist schon nett, aber die Welt fängt am Tellerrand erst an :-)

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