Der Regen von heut nacht hat dann auch bis 11:00 gehalten und mir trotzdem kaum mehr als ein Trinkglas voll Wasser spendiert, dass ich zudem noch durch ein Taschendurch filtern durfte, weil die dicken Tropfen auch Erde mit in den Topf geschleudert haben. Aber es hilft ja alles nichts und ich nutz die Regenpause, um das Zelt abzubauen und loszumarschieren.. Über den Rentierzaun und immer weiter, doch so wahnsinnig weit muss ich garnicht laufen, den einerseits hatte ich ja schon die halbe Etappe hinter mir und andererseits muss man die Alesjaure-Etappe nicht vollständig laufen, wenn man nicht will, es fährt nämlich auch ein Boot den See entlang. Nach der Strapaze mit dem Wassermangel bin ich also mal faul und nehm das Boot, nachdem ich unterwegs doch noch an einer vertrauenerweckenden Quelle Wasser aufgenommen hab.
An der Anlegestelle stand dann, dass es bis zum regulären Boot noch ca. 2h dauern würde, man den Kahn aber ab 6 Personen auch per montiertem Walky-Talky rufen könnte. Aber nee, zum einen will ich mir nicht die Ohren beim Schwedisch sprechen verbiegen, zum anderen eine prima Gelegenheit, den frischen Wasservorrat für heissen Kaffee und ein leckeres Fertiggericht aus der Tüte zu verwenden, ich hab da ja etwas Nachholbedarf. Und so setz ich mich dann im Nieselregen auf die Isomatte und fang das Kochen an, was mir einige andere Wartende gleich nachtun. Selbst mit vollen Magen wirds aber langsam kühl, so ohne Bewegung bei Niesel und Wind, aber da bewegt sich schon ein Punkt am anderen Seeufer, das wird wohl das Boot sein.
Die Überfahrt dauert so 15-20 Minuten, es gibt viel Landschaft zu gucken und im Nachhinein war es die 220SEK wert, nicht laufen zu müssen, auch wenn sich der Fahrer bei 220SEK a 15 Nasen sicher mehr als das Benzingeld verdient hat(und er ist nach der Ankunft auch gleich wieder abgehauen, weil schon kurz nach der Abfahrt noch ne Bootsladung auf der anderen Seite wartete). Dafür war das Personal in der Alesjaurehütte so freundlich, auf einen kostenlosen Zeltplatz unten am See hinzuweisen, Trinkwasser gabs im See mehr als genug(die hotelartig ausgebaute Hütte bezog ihr Trinkwasser auch direkt von da) und Toiletten und Müllentsorgung der Hütte durfte man kostenlos mitnutzen. Nach den 100SEK Zeltgebühr in Abiskojaure eine willkommene Überraschung. Dafür, dass man nichts zahlt bleiben einem dann aber eben Küchen- und Saunanutzung verwehrt, was dank eigenem Kocher aber nicht so ins Gewicht fiel.
Am Zeltplatz dann auch die erste Begegnung mit deutschen Wanderern, ein Berliner mit kränkelndem Sohn und ein Pärchen aus Bonn. Beim Abendessen wurden dann der berliner Jetboil-Hightech-Kocher, der Bonner Lowtech-Trangia mit Spiritusbefeuerung und der hamburger Low-Lowtech-Potcozy bestaunt, wobei letzterer den Bonnern dabei half, dass der Couscous nicht kalt wurde, bevor die Tomatensosse fertig war. Der Regen hatte während der Bootsfahrt zwar aufgehört, aber so richtig warm wars trotzdem nicht und deshalb kamen bei jedem Sonnenstrahl wahre Begeisterungsstürme unter den Zeltbewohnern auf und als am frühen Abend die Mücken aufwachten, löste sich die Versammlung schlagartig in Richtung der Schlafsäcke auf. Bis auf den Berliner, der überlegt hat, seinen 14jährigen Sohnemann doch besser für 365SEK in ein Hüttenbett zu stecken und etwas kurieren zu lassen, während er der Sauna einen Besuch abstattet, was insgesamt aber wohl doch im Sande verlief, denn zum Frühstück sah man beide sich aus ihrem Mini-Zelt schälen.
So gegen 1Uhr nachts wurds nochmal unruhig auf dem Zeltplatz, weil einige Nach(t)zügler relativ lautstark ihr Zelt aufbauten.. Das ist halt der Nachteil am Polartag: Zeit ist relativ.
Das Frühstück hab ich heut dann gleich mal mit ausgelassen und das war ein böser Fehler, denn nach den 15km bis zur Abiskojaure Hütte gestern sollten es heute EIGENTLICH 20km bis zum Alesjaure werden. Und auf dem Weg dahin geht es stetig bergauf, hin und wieder rauben einem steilere Passagen mal den Atem und selbst eine ältere STF-Führererin, die mich überholt hatte, meinte, dass es diese Etappe in sich hätte. Passenderweise ging mir gegen Abend auch noch das Wasser aus und der Rest der Strecke führt durch ein Rentiergehege, wo man mit dem Wasser aufpassen müsste, es könnt ja schließlich irgendwo weiter oben ein totes Tier im Fluss liegen.
Da ich aber eh ziemlich platt bin nach ca. der Hälfte der Strecke, tu ich einfach das was ich sowieso vorhatte: Ich lass die Etappe mal Etappe sein und lass mich einfach da häuslich nieder wo ich gerad stehe und bau das Zelt in freier Wildbahn auf. Im Zelt sind nach dem Aufbau schon gefühlte 100 Mücken, im Vorzelt mindestens 5.000.000, aber mangels Wasser bleibt die Küche ja eh kalt und ich knabber an meinen Lion-Frühstücksflocken rum, bevor ich mit den drei ??? stundenweise einnicke. Geistesgegenwärtig hab ich vorher noch einen Topf in den Regen gestellt, der wurde über nacht nämlich noch recht stark und ich wach desöfteren vom Flattern der Zeltwand im stürmischen Wind auf.
Statt Schlafwagen diesmal also auf der Hinfahrt "nur" ein Liegewagen, weil nichts anderes mehr frei war, dafür gabs Kissenbezüge und Waschlappen von IKEA und schicke flauschige Wolldecken von Veolia(Transport, nicht Müll), beides Sachen, die man hierzulande nicht in einem Zug erwarten würde. Immerhin kam schonmal die obligatorische 0,25l-Wasserration aus der richtigen Ecke. Zwei meiner sechs Mitreisenden im Abteil haben sich dank vieler freier Betten in die Nachbarabteile verteilt und ich blieb noch mit einem IT-Fred, der in der Nähe von Kiruna angeln gehen will(und dafür wie ich auch ein Funkloch suchte) und zwei Damen besten Alters, die wie ich nach Vakkotavare wollen(die beiden allerdings von Nikkaluokta aus) im Abteil.
Der Schlaf war gewohnt schlecht und die letzten paar Stunden Bahnfahrt ziehen sich auch immer sehr und so hab ich dann schon vor der Ankunft den Rucksack vom Reise- in den Wandermodus umgepackt und bin bei der Ankunft an der Abisko Turiststation(ja, diesmal wars die Richtige) schnurstracks losmarschiert, während der Rest der Mannschaft noch die Rucksäcke umgebaut hat. Aber ich hatte es ja auch eilig, denn es war schon kurz vor 16:00 und die ersten Kilometer liegen im Abisko Nationalpark, in dem man nur auf ausgewiesenen Flächen zelten darf(und die sind eher rar). 15km sinds dann immerhin geworden als ich an der Abiskojaure-Hütte ankam und sie waren anstrengender als erwartet. Zum einen ist Wald ziemlich öde(Bäume, noch mehr Bäume, oh ein Baum!) und das Wetter wollte auch nicht so richtig mitspielen, es fing nämlich an zu regnen und manch Verwegene haben schon mitten im Nationalpark ihr Zelt ausgepackt und ihr Imkerkostüm angezogen.. Teilweise nur 1km vom offiziellen Zeltplatz entfernt
Während ich so durch den Regen stapfe, überholt mich noch ein Trailrunner, so eine Art Jogger mit Rucksack, kurzen Sportklamotten und Schlammflecken und dann schüttets auch schon richtig und ich schaffs eben "nur" bis zum Hütte und nicht wir ursprünglich geplant noch aus dem Park hinaus. Ich bin allerdings froh, endlich im trockenen Zelt zu sein, dessen Aufstellen mit 100SEK gekostet hat, was wohl zum Geschäftsmodell der Hütte gehört, denn an allen anderen Hütten kostet das Zelten nichts, weils rundherum ja sowieso erlaubt ist. Bei all der Freude vergess ich jedenfalls prompt, zu abend zu essen und kriech gleich in den Schlafsack und schlaf beim leisen Prasseln des Nieselregens auch gleich ein.
Achso.. Und es ging auch gleich am ersten Tag schon über diese schönen wackeligen Brücken, die zur Sommersaison ausgebracht und im Winter wieder eingesammelt werden. Ich hab bei den Dingern ja immer Angst, dass da gleich ein wildgewordener Eingeborenenstamm um die Ecke gerannt kommt und die Brücke einstürzt, wie in einem schlechten Abenteuerfilm
Ok, eigentlich war ich schon gestern gegen 23:00 zuhaus, aber da wollten noch knapp 200 Fotos überflogen werden und danach bin ich ins Bett gefallen..
Die nächsten Tage werd ich mal das Tourtagebuch abtippen, vielleicht findest ja jemand lustig
Anfang macht der
30.07.2010
Reisen wie Willy Fogg... Nachdem am Morgen noch Uni- und Büropapierkram warteten, war ich dann um 9:25 in dem Zug, der um 9:28 losfahren sollte.
In Kopenhagen, Malmö und Stockholm sollte ich umsteigen und hatte jeweils nur ca. eine halbe Stunde Aufenthalt, ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass
ich letztes Jahr fast meinen Nachtzug nach Abisko verpasst hab, weil der Zubringer über eine Stunde Verspätung hatte.. Bahnfahren nach der Stechuhr also
mit einer kleinen Verschnaufpause auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby.
Ziemlich foggartig bin ich dann auch mit +40 in Stockholm angekommen, auch dieses Jahr war wieder Bahnsteigsprinten angesagt, aber im Gegensatz zum letzten
Jahr hatte ich dieses Mal ja noch den Stopp in Malmö, wo ich immerhin schonmal schwedisches Bargeld besorgen konnte, das mir letztes Jahr schmerzhaft
gefehlt hat(Busfahrer nehmen nunmal keine Kreditkarten an). Aber alles halb so wild, den Nachtzug hab ich erreicht und ich krieche in den gemischtgeschlechtlichen
Liegewagen. Komisches Gefühl, wo die Schlafwagen letztes Jahr streng nach Männlein und Weiblein getrennt waren.
Und weil die Zugfahrt noch ein bischen andauert, hier schonmal ein Kameraschwenk mitten aus dem Fjäll:
Diesmal kam die komische Post aber mehr oder weniger erwartet an.
Der Neurologe, der mir gerad meinen Asperger diagnostizieren soll hat mich nämlich zum IQ-Test geschickt, wahrscheinlich um mir zu beweisen, dass ich nicht so doof bin wie ich glaube. Und weil es erstmal nur um einen Richtwert ging, reichte auch die blosse Punktzahl und die gibts bei den Mensa-Aufnahmetests mit ca. 50€ vergleichsweise günstig.
Eigentlich soll es 2-3 Wochen bis zum Ergebnis dauern, mich leuchtete aber schon nach knapp einer Woche das Mensa-Logo durch den Briefumschlag an, mein Testergebnis kam heute und ich hab, wenn man das so nennen will, bestanden. Jetzt wirds schwierig, dem Psychodoc
klarzumachen, dass es Probleme gibt, die ich eben NICHT lösen kann
Und da rein rechnerisch nur ca. 2% aller Menschen in die Verlegenheit kommen können, so ein Schreiben zu kriegen, so sieht die recht nüchterne Einladung in den Verein aus:
Die genauen Werte interessieren nicht, find ich.. Es reicht zu wissen, dass es mehr als 130 und weniger als 145 IQ-Punkte sind(ab 130 liegt dem Testergebnis so ein Aufnahmeantrag bei und spätestens ab 145 wird der Wert eher zur Kaffeesatzleserei, deshalb reicht der Mensa-Test laut Prüfungsleiter "nur" bis ca. 145 Punkte).
Mal schauen was das außer einer schicken Anstecknadel noch so mit sich bringt.. Für den Moment fühlts sich n bischen wie der 30. Geburtstag an.. Die ganze Zeit hat man Angst davor(oh Gott.. Ab 30 ist man endgültig alt) und dann wacht man auf und es hat sich eigentlich nichts verändert.. Genauso glaub ich ja, dass ich mich morgen genauso doof fühle wie heute
Sich vom Handy wecken zu lassen geht zwar und dank Windows Mobile sogar jeden Tag zu einer anderen Zeit, aber so richtig Stil hat das nicht,
also musste ein "richtiger" Wecker her und nach der ganzen SMD-Löterei am Hubschrauber kam dieses verdrahtete Modell gerade recht..
Bilder vom Betrieb gibts dann, sobald der Fehler gefunden ist, warum das Ding nur "ddddddd" im Display anzeigt
Endlich weiss ich, wofür Flussmittel beim Löten gut ist.. Bei "normalgroßen" Bauteilen mit Drähten dran reicht eigentlich das bischen, was im Lötzinn mit drin ist.. Bei solch kleinen Teilen:
verdampft der Anteil im Lötzinn aber schneller als man gucken kann.. Wie man aber in Videos wie diesem sehen kann, hilft es ungemein, wenn man von hier:
nach hier:
in nur gut 2 Stunden kommen will.
Mit den Sensoren drauf siehts dann schon ziemlich gut aus:
Beim Umzug der Teile hats dann aber wohl einen Widerstand zerlegt, den es weder bei Reichelt, noch bei Conrad gibt.. Mal gucken, was die Restekiste so sagt.
Nachdem das Wohnzimmer inzwischen bewohnbar ist und sich auch im Schlafzimmer nur noch mäßig viele
Kartons stapeln gings nun langsam mal ans Arbeitszimmer, wo bisher nur ein Bildschirmarbeitsplatz benutzbar war.
Seit gestern gibts dort auch endlich wieder einen Basteltisch.. Mittlerweile in brauchbaren Ausmaßen, damit
auch mal alle Arbeitsstationen zum Drohnenbau auf einen Tisch passen.. Sind auch nur 2,20m
Erstaunlicherweise scheint auch alles noch zu funktionieren.. Nur vom Höhenmesser bekomm ich keine Werte, aber das kann auch meine eigene Dummheit sein..
Gestern kam doch tatsächlich ein riesiger Sack Post aus Großbritannien bei mir an..
Die Sendung von Amazon UK war eigentlich schon längst da, Lesestoff für die Uni
ist eigentlich auch genug da und trotzdem kam so ein Monster hier an: