Dritter Reisetag

Das Frühstück hab ich heut dann gleich mal mit ausgelassen und das war ein böser Fehler, denn nach den 15km bis zur Abiskojaure Hütte gestern sollten es heute EIGENTLICH 20km bis zum Alesjaure werden. Und auf dem Weg dahin geht es stetig bergauf, hin und wieder rauben einem steilere Passagen mal den Atem und selbst eine ältere STF-Führererin, die mich überholt hatte, meinte, dass es diese Etappe in sich hätte. Passenderweise ging mir gegen Abend auch noch das Wasser aus und der Rest der Strecke führt durch ein Rentiergehege, wo man mit dem Wasser aufpassen müsste, es könnt ja schließlich irgendwo weiter oben ein totes Tier im Fluss liegen.

Da ich aber eh ziemlich platt bin nach ca. der Hälfte der Strecke, tu ich einfach das was ich sowieso vorhatte: Ich lass die Etappe mal Etappe sein und lass mich einfach da häuslich nieder wo ich gerad stehe und bau das Zelt in freier Wildbahn auf. Im Zelt sind nach dem Aufbau schon gefühlte 100 Mücken, im Vorzelt mindestens 5.000.000, aber mangels Wasser bleibt die Küche ja eh kalt und ich knabber an meinen Lion-Frühstücksflocken rum, bevor ich mit den drei ??? stundenweise einnicke. Geistesgegenwärtig hab ich vorher noch einen Topf in den Regen gestellt, der wurde über nacht nämlich noch recht stark und ich wach desöfteren vom Flattern der Zeltwand im stürmischen Wind auf.

 


Zweiter Reisetag

Statt Schlafwagen diesmal also auf der Hinfahrt “nur” ein Liegewagen, weil nichts anderes mehr frei war, dafür gabs Kissenbezüge und Waschlappen von IKEA und schicke flauschige Wolldecken von Veolia(Transport, nicht Müll), beides Sachen, die man hierzulande nicht in einem Zug erwarten würde. Immerhin kam schonmal die obligatorische 0,25l-Wasserration aus der richtigen Ecke.

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Zwei meiner sechs Mitreisenden im Abteil haben sich dank vieler freier Betten in die Nachbarabteile verteilt und ich blieb noch mit einem IT-Fred, der in der Nähe von Kiruna angeln gehen will(und dafür wie ich auch ein Funkloch suchte) und zwei Damen besten Alters, die wie ich nach Vakkotavare wollen(die beiden allerdings von Nikkaluokta aus) im Abteil.

Der Schlaf war gewohnt schlecht und die letzten paar Stunden Bahnfahrt ziehen sich auch immer sehr und so hab ich dann schon vor der Ankunft den Rucksack vom Reise- in den Wandermodus umgepackt und bin bei der Ankunft an der Abisko Turiststation(ja, diesmal wars die Richtige) schnurstracks losmarschiert, während der Rest der Mannschaft noch die Rucksäcke umgebaut hat. Aber ich hatte es ja auch eilig, denn es war schon kurz vor 16:00 und die ersten Kilometer liegen im Abisko Nationalpark, in dem man nur auf ausgewiesenen Flächen zelten darf(und die sind eher rar). 15km sinds dann immerhin geworden als ich an der Abiskojaure-Hütte ankam und sie waren anstrengender als erwartet. Zum einen ist Wald ziemlich öde(Bäume, noch mehr Bäume, oh ein Baum!) und das Wetter wollte auch nicht so richtig mitspielen, es fing nämlich an zu regnen und manch Verwegene haben schon mitten im Nationalpark ihr Zelt ausgepackt und ihr Imkerkostüm angezogen.. Teilweise nur 1km vom offiziellen Zeltplatz entfernt.

Während ich so durch den Regen stapfe, überholt mich noch ein Trailrunner, so eine Art Jogger mit Rucksack, kurzen Sportklamotten und Schlammflecken und dann schüttets auch schon richtig und ich schaffs eben “nur” bis zum Hütte und nicht wir ursprünglich geplant noch aus dem Park hinaus. Ich bin allerdings froh, endlich im trockenen Zelt zu sein, dessen Aufstellen mit 100SEK gekostet hat, was wohl zum Geschäftsmodell der Hütte gehört, denn an allen anderen Hütten kostet das Zelten nichts, weils rundherum ja sowieso erlaubt ist. Bei all der Freude vergess ich jedenfalls prompt, zu abend zu essen und kriech gleich in den Schlafsack und schlaf beim leisen Prasseln des Nieselregens auch gleich ein.

 


 

Erster Reistag

Reisen wie Willy Fogg… Nachdem am Morgen noch Uni- und Büropapierkram warteten, war ich dann um 9:25 in dem Zug, der um 9:28 losfahren sollte.
In Kopenhagen, Malmö und Stockholm sollte ich umsteigen und hatte jeweils nur ca. eine halbe Stunde Aufenthalt, ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass
ich letztes Jahr fast meinen Nachtzug nach Abisko verpasst hab, weil der Zubringer über eine Stunde Verspätung hatte.. Bahnfahren nach der Stechuhr also
mit einer kleinen Verschnaufpause auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby.

Ziemlich foggartig bin ich dann auch mit +40 in Stockholm angekommen, auch dieses Jahr war wieder Bahnsteigsprinten angesagt, aber im Gegensatz zum letzten
Jahr hatte ich dieses Mal ja noch den Stopp in Malmö, wo ich immerhin schonmal schwedisches Bargeld besorgen konnte, das mir letztes Jahr schmerzhaft
gefehlt hat(Busfahrer nehmen nunmal keine Kreditkarten an). Aber alles halb so wild, den Nachtzug hab ich erreicht und ich krieche in den gemischtgeschlechtlichen
Liegewagen. Komisches Gefühl, wo die Schlafwagen letztes Jahr streng nach Männlein und Weiblein getrennt waren.

 


Neuer Versuch nächstes Jahr…

Das war er nun, mein heissersehnter Schwedenurlaub dieses Jahr, leider eine Woche zu kurz.

Um das Ende gleich vorweg zu nehmen: Ich hatte in der einen Woche mehr Abenteuer als auf dem für zwei Wochen geplanten Weg.

Eigentlich hatte ich ja vor, die erste Etappe des Kungsleden bis Vakkotavare abzuklappern, nur war die Bahnstation am Anfang des
Wegs(Abisko Turiststation) nicht wirklich gut zu entdecken, denn vom Zug aus sah man erst nur Maschendrahtzaun, dann plötzlich Aufregung
im Zug, dann sah man Maschendrahtzaun und bunte Rucksäcke und Köpfe und dann fuhr der Zug auch schon weiter, bevor ich überhaupt wusste,
dass ich gerade am Ziel vorbeigefahren bin…

Fängt ja schonmal gut an, aber ich war nicht der einzige, dem das passiert ist.
Der nächste Bahnhof war dann Björkliden, auch ein lauschiges Plätzchen fast mitten im Wald, aber eben nicht Anfang meines Wanderwegs.

Ich hab also zunächst einmal einen Blick in die Karte geworfen und festgestellt, dass man ja auch von dort loslaufen könnte statt ewig auf den Zug zurück zu warten oder die 8km zu Fuss zu laufen. Bis ich wieder in Abisko gewesen wäre, wär ich auch schon reif für den Schlafsack gewesen, was dort aber schwierig ist, da auf dem ersten Teilstück ein Nationalpark und dort das Zelten verboten ist.

Also stiefel ich so los und lauf höher und höher und guck mir geschlossene Seilbahnen an(ist ja schließlich keine Skisaison gerad) und lauf noch höher und noch höher und hinter mir sieht man langsam den Torneträsk immer mehr, weil einfach weniger Bäume im Weg stehen.. Als der Ausblick gut genug und auch eine alte Nothütte in der Nähe waren, beschloss ich erst einmal Pause zu machen und hab das Zelt rausgeholt, da hatte ich schonmal die Hälfte der 1000hm geschafft.

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Hier gabs immerhin noch einen Trampelpfad.
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Das Ganze Elend von Anfang bis Ende sah dann so aus…

Irgendwo ganz klein am Rande des Torneträsk kann man den Bahnhof erahnen…

Der Rest ging dann eigentlich recht unspektakulär weiter: Den Berg wieder runter, aber bloss nicht gerade, denn alle paar Meter gab es entweder ein Sumpfloch oder einen steilen Überhang, dafür aber keinen wirklichen Weg mehr.. Ich bin da also im Slalom zwischen den Markierungen für einen Winterwanderweg runter. Nur muss man im Winter sicher nicht so auf Sümpfe achten, die sind da gefroren. Irgendwo unterwegs war also das erste paar Socken nass. Kein Problem, man hat ja noch eines.

Vor der Brücke über den Kårsajåkka hab ich dann nochmal das Zelt aufgeschlagen, weil danach der Abisko Nationalpark beginnt.

Da hatte ich noch die Hoffnung, dann irgendwann der Dreh zum Kungsleden zu kriegen und meinen geplanten Weg fortzusetzen, was sich anhand diverser Sumpfgebiete, nochmals nasser Socken und Wegen wie diesen hier als unmöglich herausstellte:

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Also doch lieber links abbiegen und den sicheren Weg zum Bahnhof nehmen:


View Larger Map

 

Letztlich konnte ich gegen Ende kaum noch einen Menschentrampelpfad von einem Tiertrampelpfad von einem ausgetrockneten Bächlein oder einem geplanten Trampelpfad unterscheiden, die Übergänge waren da auch fließend. Geflossen ist da auch eine Menge Blut, eines meiner T-Shirts zieren jedenfalls unzählige Blutflecken, wahrscheinlich von meinen Handgelenken, der, nach der Höhensonne einzige unbedeckten, verbrannten Körperregion meinerseits:

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Gebissen wurde ich im Sumpf nicht nur von Mücken, sondern auch von kleinen Fliegenartigen Tierchen, die tolle kleine Blutblasen auf der Haus hinterlassen und gegen die auch das 50%ige DEET nichts mehr nützte, das wahrscheinlich eh nach 500m Strecke durchs Gehölz weggeschwitzt war. Als es gegen 20:00 wirklich zuviel wurde, hab ich dann unerlaubterweise doch mal das Zelt in den Nationalpark gestellt, um wenigstens mückenfrei was essen zu können und hab das Zelt nach dem dritten oder vierten Flug des Waldmeisters im Hubschrauber doch lieber wieder abgebaut und bin die Nacht durch bis irgendwann kurz nach 23:00 bis zur Abisko Turiststation getobt. Dabei hab ich auf den letzten 5-6km sogar noch den offiziellen Wanderweg gefunden, die reinste Waldautobahn gegen die Wege, die ich genommen hab:

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Jetzt könnte man eigentlich meinen, das war alles doof und rausgeworfenes Geld und rausgeworfene Urlaubstage, fand ich aber unterwegs schon nicht, denn alle paar Minuten wenn man mal stehenbleibt, um zu verschnaufen, dann sieht man doch grandiose Landschaften, die jede Mühe wert sind:

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Das einzige, was mich dann in Abisko doch zur Abreise getrieben hat war die Tatsache, dass man nicht einfach mitten auf dem Kungsleden aussteigen kann wenn es einem zuviel wird. Und den Hubschrauber wollte ich nicht bemühen müssen, um da einen ziemlich abgewrackten Leichtsinnigen rauszuholen, der Heli hat mich schon oft genug umrundet.

Nächstes Jahr gibts einen neuen Versuch mit mehr Landschaft und weniger Abendteuer und hoffentlich mehr schönen Bildern, vom Gelände her kann mich auf dem richtigen Wanderweg jedenfalls nichts mehr schocken, glaub ich.

Dafür hab ich mir etwas Zeit erkauft, mal ein paar Brocken Schwedisch zu lernen, denn unterwegs mit diversen Langstreckenzügen wärs manchmal doch recht hilfreich gewesen zu erfahren, wieviel Verspätung der Zug denn nun wirklich hat…

 

 

Gulo Gulo

Noch weniger als eine Woche, dann gehts für mich Richtung Nordpol. Auf der Arbeit versuch ich alle neuen Anfragen nicht anzunehmen und schreib mir die Finger wund, damit den Kollegen möglichst wenig von meinen Sachen auf die Füße fällt.

Heut war jedenfalls schonmal die erste direkt Reisevorbereitung nach dem Fahrkartenkauf fällig, Rucksack packen :-)

Entgegen bisherigen Urlauben sinds erstaunlich wenig Klamotten(genau genommen ein etwas größerer Satz Wechselklamotten, gewaschen wird unterwegs), dafür umso mehr Fressalien, ein größeres Bild gibts durch Anklicken:

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Das sind, so ungefähr:

2	Globetrotter Reispfanne “Balkan Art”
1	Adventure Food Gulasch
1	Globetrotter Lunch Chili con Carne
1	Adventure Food Pasta Bolognese
15	Mr. Tom Erdnussriegel
3	Süßer Moment Vanille
3	Süßer Moment Griesbrei
6	Süßer Moment Schokolade
3	Vollmilchpulver(100g)
2	Schokolade(Blockschokolade, 200g)
4	Parmesan(100g)
4	Kartoffelbrei
2	Erdnüsse(Dose, 200g)
2	Pistazien(200g)
6	Heisse Tasse Tomaten-Creme
5	Heisse Tasse Rindfleisch-Nudel
2	Knorr Spaghetteria Bolognese
1	Knorr Spaghetteria Pomodoro Mozzarella
1	Couscous(500g)
4	Salami(2x25g)
2	Cranberries, trocken(100g)
6	Fruchtriegel “Multifrucht”
6	Fruchtriegel “Rote Früchte”
6	Fruchtriegel “Erdbeer-Limone”
4	8-Minuten-Reis(2 Portionen)
4	8-Minuten-Reis(2 Portionen)
3	Schokomüsli(750g)
2	Sojaschnitzel(150g)
2	Röstzwiebeln(100g)
1	Tomatensuppe(3x250ml)
1	Couscous(200g)

oder 40.963kcal für 15 Tage und damit eigentlich zu wenig für meine 108kg :-) Aber vielleicht verlier ich unterwegs ja n bischen was an Bauchfleisch.. Theoretisch wiegt der Proviant knapp 11kg und die bisher geplante Ausrüstung ohne Klamotten nochmal gute 10kg. Ich bin gespannt, was morgen beim endgültigen Packen als Gesamtgewicht rauskommt..